Mittwoch, 28. Oktober 2009

Rathaus, Fuldabrück, Verstehen öffnet Türen zu Menschen mit Demenz

Söhre / Kaufungen

Verstehen öffnet viele Türen

Vortrag über den Umgang mit Menschen mit Demenz - Ziel: Selbstwert stärken

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Austausch nach dem Vortrag: Referentin Barbara Schweiger mit Kalli (von links), Siegmund Kühl (Pflegedienstleiter in Dennhausen), Fachpflegerin Brunhilde Amthauer-Ospalski aus Kaufungen und die künftige Pflegedienstleiterin des neuen Awo-Altenzentrums Fuldabrück Tanja Stuhl.  Fotos:  Wienecke
Austausch nach dem Vortrag: Referentin Barbara Schweiger mit Kalli (von links), Siegmund Kühl (Pflegedienstleiter in Dennhausen), Fachpflegerin Brunhilde Amthauer-Ospalski aus Kaufungen und die künftige Pflegedienstleiterin des neuen Awo-Altenzentrums Fuldabrück Tanja Stuhl. Fotos: Wienecke
   
Fuldabrück. Elke Suchner, in Fuldabrück unter anderem für Seniorenarbeit zuständig, begrüßt die Referentin des Abends. Die betritt den Raum im Rathaus Dörnhagen mit einem Schuh. Der zweite wird sich später in ihrer Handtasche finden. "Was sind denn das für Leute?", fragt sie, und blickt verwirrt um sich. "Ich muss doch zum Bus. Wie bin ich denn bloß hier hergekommen?"
Betroffenheit unter den Zuhörern. Um den Umgang mit Menschen mit Demenz geht es Barbara Schweiger aus Fuldabrück-Dennhausen. Die Psychiatriefachkrankenschwester hat sich spezialisiert auf dieses Gebiet. "Der Bedarf ist sehr groß", sagt sie. "Verstehen öffnet Türen."
In ein weiteres Rollenspiel bindet die Referentin nun Dieter Lengemann ein. Ob es ihm schon einmal passiert sei, dass er in einer fremden Stadt den Weg zu seinem Auto gesucht habe, will sie wissen. Der Bürgermeister soll nun jemanden nach dem Weg zum Busbahnhof fragen, wo das Auto stehe.
Statt dies zu erklären, teilt Barbara Schweiger ihrem verdutzten Gesprächspartner mit, dass er ja gar kein Auto mehr fahre, sondern seit einiger Zeit im Heim lebe. Dieter Lengemann und die Teilnehmer - Angehörige von Erkrankten oder in Pflegeberufen tätig - konnten ansatzweise nachempfinden, wie sich ein an Demenz erkrankter Mensch fühlen muss. Angst, Unsicherheit, Verwirrtheit und Ärger kommen auf, da sich der Betroffene nicht verstanden fühlt. "Die Denkfähigkeit geht verloren. Er ist in einer anderen Zeit und einer anderen Welt, zum Beispiel in der Welt der Kindheit angekommen, die jetzt seine Wirklichkeit ist", so die Trainerin.
Es geht ihr um Wertschätzung. Sie sei ein Ansatz zur Kontaktaufnahme. Gefühle, Rhythmen, Erinnerungen und noch vorhandene Aktivitätsmöglichkeiten bieten einen Zugang bis zuletzt, sagt sie. Auch wenn das Kurzzeitgedächtnis versage, würden Gefühle sehr wohl noch wahrgenommen und sich gemerkt.
Auch auf die Verzweiflung der Angehörigen und das Sichdurchsetzen gegenüber Patienten, die die Körperpflege verweigern, geht die Referentin ein. Sie empfiehlt, die Krankheit anzunehmen, nicht zu kritisieren oder zu diskutieren und individuelle Lösungen auszuprobieren sowie feste Zeiten einzuhalten.
Oberstes Ziel sei, den erkrankten Menschen im Selbstwert zu stärken. "Er wird gemocht und ist noch wichtig, dann braucht er auch nicht problematisch zu werden", endet sie. Auch über Tiere, wie ihren Hund Kalli, den sie zum Vortrag mitgebracht hat, sei der Zugang möglich.
Von Bettina Wienecke

Freitag, 2. Oktober 2009

„Verstehen öffnet Türen in die Welt der Menschen mit Demenz“

Informationsveranstaltung
Geschrieben von: Elke Suchner   
Montag, den 28. September 2009 um 12:25 Uhr
Die Seniorenarbeit Fuldabrück informiert:
Die Seniorenarbeit der Gemeinde Fuldabrück lädt alle Bürger, Angehörige, Fachkräfte, Ehrenamtliche und Interessierte zu einer Informationsveranstaltung mit dem Thema

„Verstehen öffnet Türen in die Welt der Menschen mit Demenz“
 ein.
Die Veranstaltung findet am Dienstag, den 6.Oktober 2009 um 18.00 Uhr
im großen Sitzungssaal im Rathaus in Fuldabrück – Dörnhagen statt.
Die Referentin, Frau Barbara Schweiger ist Psychiatriefachkrankenschwester, freiberufliche Referentin und Mitglied der deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung e.V.
Der Eintritt ist frei.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

„Verstehen öffnet Türen in die Welt der Menschen mit Demenz“

Informationsveranstaltung
Geschrieben von: Elke Suchner   
Montag, den 28. September 2009 um 12:25 Uhr
Die Seniorenarbeit Fuldabrück informiert:
Die Seniorenarbeit der Gemeinde Fuldabrück lädt alle Bürger, Angehörige, Fachkräfte, Ehrenamtliche und Interessierte zu einer Informationsveranstaltung mit dem Thema

„Verstehen öffnet Türen in die Welt der Menschen mit Demenz“
 ein.
Die Veranstaltung findet am Dienstag, den 6.Oktober 2009 um 18.00 Uhr
im großen Sitzungssaal im Rathaus in Fuldabrück – Dörnhagen statt.
Die Referentin, Frau Barbara Schweiger ist Psychiatriefachkrankenschwester, freiberufliche Referentin und Mitglied der deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung e.V.
Der Eintritt ist frei.

Donnerstag, 24. September 2009

Vortrag "Verstehen öffnet Türen in die Welt der Menschen mit Demenz" in Fuldabrück


Die Seniorenarbeit der Gemeinde Fuldabrück lädt alle Bürger, Angehörige, Fachkräfte, Ehrenamtliche und Interessierte zu einer
Informationsveranstaltung mit dem Thema




„Verstehen öffnet Türen
in die Welt der Menschen
mit Demenz“  ein.
Die SENIORENARBEIT Fuldabrück informiert:
Die Veranstaltung findet am

Dienstag, den 6.Oktober 2009 um 18.00 Uhr

im großen Sitzungssaal
im Rathaus in Fuldabrück – Dörnhagen statt.
Die Referentin, Frau Barbara Schweiger ist Psychiatriefachkrankenschwester, freiberufliche Referentin und Mitglied der deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung e.V.

Der Eintritt ist frei.

Samstag, 19. September 2009

Vortrag in Münster, "Denkwerkstatt: Pflege in psychiatrischen Arbeitsfeldern"

LWL-Pflegesymposium


"Denkwerkstatt:
Pflege in
psychiatrischen
Arbeitsfeldern"


am
Donnerstag,
27.
April
2006
in
der
Halle Münsterland


Am 27. April 2006 fand in der Halle Münsterland, organisiert durch das zentrale Unternehmensmanagement
des LWL-PsychiatrieVerbundes des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, die
überregionale „Denkwerkstatt: Pflege in psychiatrischen Arbeitsfelder“ statt.

Die ca. 400 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet, wurden durch die Landesrätin, Frau
Dipl.-Kff. Helga Schuhmann-Wessolek, und die Pflegereferentin, Frau Mechthild Mügge, vom
Zentralen Unternehmensmanagement LWL-PsychiatrieVerbund begrüßt.


(Landesrätin H. Schuhmann-Wessolek) (Pflegereferentin M. Mügge)

Anliegen des Fachsymposiums war, die Vermittlung und Verbreitung des aktuellen Wissenstandes
in der psychiatrischen Pflege. Dabei wurde insbesondere der Paradigmenwechsel in der
Behandlung und Pflege erkrankter Menschen, ausgelöst durch die veränderte Situation im Gesundheitswesen
unserer Republik, berücksichtigt.

Demographische Entwicklung und ein immer rascheres fortschreiten der medizinischen Behandlungsmethoden,
bei gleichzeitig rückläufigen finanziellen Ressourcen, bedingen ein zeitnahes
Umdenken bei Pflege und Behandlung.
Die strukturelle Herausforderung die sich psychiatrischer Pflege gegenüber sieht, ist vergleichbar
mit der Situation in den 70er Jahren, als sich die damalige Bundesregierung mit der Behandlung
und Situation psychiatrischer Patienten, durch den Einsatz einer Psychiatrieenquetekommission
annahm und neue Rahmenbedingungen schuf.

Mit dieser veränderten Situation beschäftigte sich Dr. Michael Schulz in seinem Vortrag.

„Neuorientierung und Paradigmenwechsel: Psychiatrische Pflege im Umbruch“

Ein hoher ökonomischer Druck und Rationierung sowie die demographische und epidemiologische
Entwicklung bedingt laut Herrn Schulz einen Paradigmenwechsel in der psychiatrischen
Pflege.


Die Pflege ist im institutionellen Verteilungskampf in den
letzten Jahren suboptimal positioniert gewesen. Das
Robert-Koch Institut hat 2005 festgestellt, dass „Die
Entwicklung der einzelnen Beschäftigungsgruppen in den
Kliniken ist unterschiedlich verlaufen. Während die Anzahl
der Ärzte von Jahr zu Jahr gestiegen ist, hat das
nichtärztliche Personal langsam aber kontinuierlich
abgenommen“. Herr Schulz beschrieb in seinem Vortrag

die höheren Gesundheitsausgaben Deutschlands im
OECD Vergleich. Dies wird in Zukunft, laut Herrn Schulz, noch Rationalisierungsfolgen für den
Gesundheitsmarkt in Deutschland und damit auch für die psychiatrische Pflege haben.


Psychiatrische Pflege benötigt eine höhere
Wissenschaftlichkeit zur Begründbarkeit des
Handelns sowie die Bewusstmachung, dass die
Chronizität der Patienten als eine Domäne der
Pflege zu behaupten ist.

Zusammenfassend heißt das für die
inhaltliche Ausgestaltung von psychiatrischer
Pflege:

•
Überprüfung des gegenwärtigen
Leistungsangebotes
•
Interaktionsintensive Leistungen
•
Professions-und
institutionsübergreifende Ansätze
•
Beratung (Dr. rer. medic. Michael Schulz)
•
Beitrag zum diagnostischen Prozess
•
Wissenschaftlich fundierte Pflegeinterventionen
•
Differenzierung der Qualifikationsniveaus
Im zweiten Vortrag widmete sich Herr Drs Nico Oud der Gewaltproblematik und agressivem
Verhalten im psychiatrischen Alltag.

Aggression und Gewalt findet statt und ist nicht immer vermeidbar.
Patienten möchten mit Ihrer Gewalt etwas ausdrücken.
Aggressionsereignisse müssen im Kontext wahrgenommen werden,
so Herrn Oud.

Außerdem ist die Gewaltsituation zu bewerten, zu bearbeiten und sie
muss verstanden werden. Gewalt im psychiatrischen Kontext ist
immer mit Interaktion verbunden. Herr Oud demonstrierte in seinem
Vortrag Auszüge aus einigen Studien zum Thema Gewalt
gegenüber Pflegenden.

Diese Studien bezogen sich nicht ausschließlich auf
psychiatrische Einrichtungen. Insgesamt kann gesagt
werden, dass psychisch Kranke Menschen im Vergleich zur
Allgemeinbevölkerung, im Durchschnitt, nicht häufiger
aggressiv oder gewalttätig sind. Herr Oud beschrieb in seinen
Ausführungen Sinnvolles und nicht Sinnvolles Verhalten zur
Deeskalation.


Als Grundregeln zur Deeskalation beschreib Herr Oud
folgende Punkt: (Drs. Nico Oud)


•
klare Grundhaltung gegen Gewalt in der Institution
•
Offener Umgang mit Formen von Gewalt
•
Aufmerksamkeit/Präsenz der Mitarbeitenden
•
Keine Dominanz/Machtspiele (wer hat Recht?)
•
Goldene Regel: Situationsbeherrschung statt Patienten-Beherrschung (nach D. Richter)

Herr Dr. Klaus Wingenfeld referierte zum Thema: Mehr Bildung – mehr Qualität?! Sind neue
zielgerichtete Qualifikationsmaßnahmen notwendig?

In der heutigen Situation der Krankenpflegeausbildung ist eine Basisqualifikation von drei Jahren
etabliert. Welche weiteren Qualifikationsprofile in der Psychiatrischen Pflege notwendig sind,
hängt von der Zielrichtung der einzelnen Institutionen ab, so Herr Wingenfeld.

Durch den Erwerb einer höheren Qualifikation ist nicht
automatisch eine bessere Ergebnisqualität zu erreichen.
Herr Wingenfeld betonte, dass Mitarbeiter mit höheren
Qualifikationen einen Strukturrahmen benötigen, um
dass erworbene Wissen um zusetzten oder weiter zu
vermitteln.

Diese Strukturrahmen sind in der deutschen

Krankenhauslandschaft nur suboptimal gegeben.
Wingenfeld stellte fest, dass
konkrete Projekte zur
Qualitätsentwicklung, bei denen
die Mitarb it r gezi lt zur

Mitarbeiter ge
eezie
eelt zur Übe
eernahme neuer Aufgaben, bei der Nutzung neuer
Instrumente etc. angeleitet werden, eher zu nachhaltigeren Ergebnissen
führen als alltagsferne Qualifizierungsmaßnahmen.

(Dr. Klaus Wingenfeld)



Das Nachmittagsprogramm wurde zum einen durch einen lebendigen
Vortrag von Frau Babara Schweiger, Psychiatriefachkrankenschwester
und Trainerin der Integrativen Validation,
zum Thema „Ganzheitlich personenzentrierte Kultur für
demente Menschen – ein validiertes Pflegekonzept -, sowie
durch zahlreiche parallel ablaufende Workshops abgerundet.

Die Themen der Workshops orientierten sich zum einen an den
Fachvorträgen des Vormittages zum anderen an aktuellen
Themen aus dem Alltag von psychiatrisch Pflegenden (Barbara Schweiger)

Neuorientierung und Paradigmenwechsel: Psychiatrische Pflege im Umbruch betreut durch
Dr. Michael Schulz und Jörg Dondalski


Augen zu und durch!?
Konflikte mit Menschen mit Demenz bewältigen!
Dr. Svenja Sachweh




Es geht auch ohne (Rat-)Schläge.
-Möglichkeiten einer lösungsfokussierten Kommunikation Monika
Stich

Bis hier hin und nicht weiter?! Formen von
Gewalt im Umgang mit Patientinnen/Patienten und Bewohnerinnen/Bewohnern
-Ein lösungsorientierter Ansatz Karl-
Heinz Schmidt, Rainer Kleßmann


Mehr Bildung – mehr Qualität?! Sind neue zielgerichtete
Qualifikationsmaßnahmen notwendig?
-Am Beispiel des pflegerischen Entlassungsmanagements -
Dr. Klaus Wingenfeld


Pflegevisite als ein Qualitätssicherungsinstrument.
Neues Lernen in der Psychiatrischen Pflege.
Anne Rabeneck


Resümee

Sowohl Veranstalter als auch die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Symposiums zogen bei
einem zusammenfassenden Plenum eine positive Bilanz.

Themenauswahl, wie auch Referenten und Referentinnen, wurden von den Anwesenden positiv
hervorgehoben. Als Fazit der Veranstaltung lässt sich festhalten, dass die psychiatrische Pflege
im sich verändernden Gesundheitssystem, durch Fachlichkeit, klare Strukturen sowie ökonomisch
sinnvollen Konzepten, positionieren muss.

Link zur Hospiztagung in Hofgeismar, Juli 2009

http://www.ekkw.de/akademie.hofgeismar/Programm/09059%20Hospiztagung.pdfhttp://www.ekkw.de/akademie.hofgeismar/Programm/09059%20Hospiztagung.pdf

Kommunikation mit und ohne Worte bei sterbenden Demenzkranken

Donnerstag, 17. September 2009

Was verändert sich in der Altenpflege in Bulgarien nach dem Forschungsprojekt

Tagesstrukturierende Angebote für demenziell Erkrankte in stationären Einrichtungen Bulgariens

Das im Programmteil „Qualifizierende Pflegepartnerschaften“ der Robert-Bosch-Stiftung angesiedelte Projekt (Kooperationspartner AWO Hessen-Nord, Dr. Radka Arnold) widmet sich dem Umgang mit dementiell Erkrankten, deren Zahl infolge des Alterns der Gesellschaft überall in Europa wächst. Anschließend an Hilfslieferungen nach Bulgarien und einer ersten Qualifizierung für ein ganzheitliches Pflegeverständnis durch die Arbeiterwohlfahrt Hessen-Nord stellt das Projekt der Universität Kassel eine Vertiefungsqualifikation dar, denn bisher liegen für den Bereich der Demenz in Bulgarien kaum Kenntnisse und Erfahrungen vor.
Das Projekt unterteilt sich in zwei Phasen, in denen ausgewählte Mitarbeiterinnen aus Altenheimen im Hohen Balkan (Gemeinden Kazanlak und Stara Zagora) zunächst bei der AWO Hessen-Nord eine Ausbildung zum Umgang mit dementiell Erkrankten bei Mitarbeitern in der stationären Pflege erhielten. In der von der Universität Kassel angeleiteten Umsetzung der erworbenen Kenntnisse mithilfe des Cardiff Lifestyle Improvement Profile for People in Extended Residential Care (Clipper) wurden die Aktivitäten ausführlich dokumentiert und evaluiert. Dabei ist die Erprobung so angelegt, dass das für Bulgarien innovative Projekt multiplikatorisch wirken kann. Zwei Handreichungen (erschienen in der Reihe der Kasseler Gerontologischen Schriften) wurden ins Bulgarische übersetzt bzw. dafür eigens verfasst. Die Instrumentarien und Ergebnisse wurden zum Projektende auf einer vom bulgarischen Sozialministerium unterstützten nationalen Konferenz der Fachöffentlichkeit präsentiert.
Die ökonomischen Verhältnisse in Bulgarien und die aufreibende Existenzsicherung, die zum Ausüben mehrerer paralleler Tätigkeiten zwingt, verhindern häufig ein größeres Engagement und das Entfalten vernetzender Aktivitäten. Qualifizierung wird unter diesen Bedingungen oft als persönlicher Vorteil gesehen, den man gern für sich nutzt und nicht unbedingt weiter gibt. Obwohl solche Tendenzen auch im Projektverlauf vereinzelt auftraten, zeigt sich die Wirkung der vielen Workshops und Beratungen darin, dass die neuen Erkenntnisse unter dem Personal in den Heimen über die Projektteilnehmer hinaus ausgetauscht wurden und werden. Vereinzelt gibt es Anstrengungen, weitere Fortbildungen für Pflegekräfte, auch für das ungelernte Personal, die vom Sozialministerium oder von Ausbildungsinstitutionen wie dem Medizinischen Kolleg angeboten werden, wahrzunehmen. Das ungelöste Problem dabei ist die Finanzierung, die im Budget der Heime nicht vorgesehen ist.
Leiterinnen und Mitarbeiterinnen der beteiligten Altenheime betonen als Folge des deutsch-bulgarischen Projektes die großen Veränderungen im Umgang mit den Bewohner/innen: Die früher krankenhausähnliche Atmosphäre in den Altenheimen und die auf medizinische Versorgung reduzierte Betreuung haben sich gewandelt, es gibt mehr Farbe, mehr Leben, dadurch weniger Konflikte und Aggressionen unter den Bewohner/innen. Die Mitarbeiter/innen sind motivierter und zeigen mehr Freude an der Arbeit. Dazu beigetragen hat sicherlich auch die mit der Clipper-Methode eingeführte Teamarbeit.
Durch die Biografie-Arbeit erfahren die Mitarbeiter/innen mehr über das Leben der Heimbewohner/innen, aber auch über ihre Wünsche und Fähigkeiten. Der Einsatz der Clipper-Methode verbessert die Lebenskraft der Demenzkranken, regt die Denktätigkeit an, es gelingt besser, „ihre Welt zu betreten“ und mit ihnen zu kommunizieren. Das Verständnis von Pflege wandelt sich langsam in Richtung ganzheitlicher Pflege. Auch die öffentliche Wahrnehmung der Altenheime beginnt sich zu wandeln.
Der Nutzen des Projekts liegt nach Auffassung einer externen unabhängigen Evaluation darin, dass das Projekt sich nicht auf einen Wissenstransfer beschränkte. Indem die erworbenen Kompetenzen in der Praxis erprobt und wirksam wurden, können bei kontinuierlichem Einsatz die Veränderungen in der Pflege und die Anwendung neuer Methoden nachhaltig bleiben. Die Wirkungen sind sowohl bei den alten Menschen als auch beim Pflegepersonal unmittelbar zu spüren.
Der Erkenntnisgewinn für das Fachgebiet „Soziale Arbeit mit älteren Menschen“ an der Universität Kassel liegt durch die unmittelbaren Erfahrungen vor Ort in einem geschärften Blick für die Unterschiede in der Altenarbeit und Altenhilfe in den zwei Ländern. Nicht zuletzt wurden transkulturelle Aspekte einer kultursensiblen Altenpflege deutlich.
Drittmittelgeber: Robert Bosch Stiftung, Stuttgart http://www.bosch-stiftung.de

Projektergebnisse:
Karl, Fred: Demenz und Sozialpädagogik. Fassungen in deutscher, bulgarischer, portugiesischer und spanischer Sprache. Deutsch in: In: Schweppe, C. (Hrsg.): Alter und Soziale Arbeit. Hohengehren 2005, S. 131-140

Powell Jennie: Hilfen zur Kommunikation mit Demenz, 2006: Kasseler Gerontologische Schriften Band 42 (in bulgarischer Sprache)

Universität Kassel, AWO Hessen-Nord, AWO Stiftung Bulgarien, Altenheime der Stadt Kazanlak (Hrg.): Arbeit mit dementiell Erkrankten - Erfahrungen aus Deutschland und Bulgarien. Kassel / Kazanlak 2007; Kasseler Gerontologische Schriften Band 42( in bulgarischer Sprache)